Rollen II

Rollen verändern, Verhalten ändern

Durch unser Verhalten werden wir in unseren Rollen sichtbar. Verhalten ist Gewohnheitshandeln. Es sind erlernte Verhaltensweisen, die normalerweise für einen reibungslosen Ablauf, sogar für Effizienz und Klarheit sorgen – solange sich die Lage nicht grundlegend ändert.

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Eine Beraterin, die unter Druck steht sich im Unternehmen beweisen zu müssen, erzählt: „Meine Kolleginnen raten mir, ich solle abends meinen Job vergessen, das sei doch nur eine Rolle. Die solle ich mir erst am nächsten Morgen wieder anziehen. Das kann ich nicht. Ich bin hier mit meiner ganzen Person dabei. Mit allem. Ich kann nicht trennen Und ich will es auch gar nicht. Ich will Erfolg und bringe Leistung. Immer. So bin ich.“

Der Rolle der leistungsbereiten, agilen, loyalen, geschmeidigen 1-A-Mitarbeiterin zeigt sich in Verhaltensmustern:  Wenn ich nicht gut genug gewesen bin oder Fehler gemacht habe, dann muss ich noch mehr tun und noch mehr leisten, um es wett zu machen. Ich fühle mich unter noch mehr Druck und strenge mich noch stärker an. Dass die Leistungen dabei nicht unbedingt besser werden, liegt auf der Hand.

Es kann sein, dass diese Muster früher dazu beigetragen, dass der Druck nachließ, dass endlich etwas vom Tisch geschafft war. Heute geschieht das Gegenteil. Druck, härteres Arbeiten, Fehler, mehr Druck.  Die Konsequenzen sind Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Untergewicht.

Anfänge

Unser Verhalten ist das Resultat vieler externer und interner Faktoren, die in einer Situation aufeinandertreffen. Es gibt auslösende und aufrechterhaltende Bedingungen. Es ist das Verhalten selbst, das eine Situation beeinflusst und verändert oder diese gar herstellt. Wenn ich meine Rolle verändere bzw. mir eine andere Rolle wähle, geht dies mit veränderten Verhaltensweisen einher. Es ist ein guter Anfang, sich die Rollen klarzumachen, in denen wir unterwegs sind und – nach einem kritischen und mutigen Blick – zu entscheiden, welche wegkönnen und wegsollen.

  • Welche Rolle will ich loswerden? Welche tut mir nicht gut?
  • Welche Rollen sind meine Lieblingsrollen? Welche passen zu mir und zum Job? Mit welcher will ich starten? Wann? Morgen.

Und im nächsten Schritt:

  • Wie verhält sich die „Lieblingsrolle“ konkret?

Aus der 1-A-Mitarbeiterin soll keine 2-B-Frau werden. Vielleicht eine Strategin? Zwischenschritte sind erlaubt. Zum Beispiel die Nachfragerin, die Nachdenkerin und so weiter.  Wird der Druck merklich größer, kann ich mir Feedback einholen, ich kann um Hilfe bitten, ich kann kurz vor die Tür gehen und überlegen, ob ich auf dem richtigen Weg bin, ich richte mein Augenmerk auf „Druck jeglicher Art“ und versuche, nicht dagegen zu halten sondern auszuweichen oder mitzugehen. Es gibt noch viele andere Möglichkeiten sich in dieser Rolle zu verhalten. Nur eines tue ich nicht: Ich arbeite nicht härter und noch härter und immer weiter.

Nichts von all dem geschieht über Nacht. Verhaltensmuster sind hartnäckig. Wichtig ist der Anfang und gut wäre es, die schon erfahrene eigene Hartnäckigkeit zu packen und nutzbar zu machen….

Verhalten kann ich also über Ausprobieren ändern und erlernen. Eine andere Möglichkeit ist es, nach role models Ausschau zu halten. Gibt es einen Rollenvorbild, von dem ich mir etwas abschauen kann? Dies ist eine der ältesten Lernmethoden, Lernen durch Nachahmung. Davon bald mehr.

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