Role models

Wozu wir role models brauchen.

Role models können wir nutzen, wenn wir unsere Rolle und unser Rollenverhalten reflektieren und verändern wollen. Sie geben uns Vorlagen für unser Handeln und Verhalten.

In den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts prägte der amerikanische Soziologe Robert K. Merton den Begriff „role model“. Darunter verstand er Vorbilder, die als Muster für spezifische Rollen nachgeahmt werden, um zu bestimmten Status-Gruppen zu gehören. Er zeigt dies am Beispiel berühmter Basketballer. Es war der kanadische Entwicklungspsychologe Albert Bandura in den 60igern Jahren, der sich im Rahmen der Lerntheorie mit der Nachahmung beschäftigte: Ein role model macht Lernen am Modell möglich. Durch zum Teil ganz alltägliche Beobachtung können wir uns komplexe Verhaltensweisen sehr effizient aneignen, Verhalten stärken oder abschwächen und noch nicht abgerufenes Verhalten auslösen.

Der Hillary-Clinton-Effekt

Nun könnte man meinen, dass es schon reicht, sich ein erfolgreiches Vorbild zu suchen, und prompt verbessert sich die eigene Leistung. Aber so einfach ist es nicht. Cheryl Taylor von der Texas Christian Universität zeigte: Tatsächlich hängt die Wirkung eines Vorbildes sehr davon ab, ob wir den Erfolg dieser Person ihren Anstrengungen zuschreiben – oder nur dem Glück. Das ist der sogenannte Hillary-Clinton-Effekt.

Für ihr Experiment wählte sie zahlreiche amerikanische Studentinnen aus, von denen einige unter anderem Hillary Clinton als großes Vorbild für Frauen im Allgemeinen und für sich im Besonderen nannten. Die Hillary Clinton-Fans waren besonders interessant, denn diese Gruppe war keinesfalls homogen. Während einige Clintons Erfolg harter Arbeit, Ausdauer und Talent zuschrieben, fanden andere, er basiere eher auf günstigen Umständen, einem guten Netzwerk oder schlicht Glück.

Ein paar Monate später wurden die Studentinnen einem Mathetest unterzogen. Dabei wurde ein Teil von Ihnen daran erinnert, dass Frauen in Mathe meistens schlechter abschneiden als Männer. Eine weitere Gruppe – die Clinton-Fans – las sich vorab eine Zusammenfassung der Erfolgsgeschichte von Hillary Clinton durch. Die dritte (Kontroll-)Gruppe bekam ein paar Fakten über ein besonders erfolgreiches Unternehmen präsentiert.

Was passierte?

Mit knapp 60% erzielten die Studentinnen, die weder durch ein negatives Stereotyp (Frauen sind Mathe schlechter als Männer) belastet waren, noch an die US-Außenministerin dachten, die meisten richtigen Antworten. Nur gut 50% erreichten die, die daran erinnert worden waren, dass Frauen in Mathe schlechter seien.

Und die Clinton-Fans? Diejenigen, die davon überzeugt waren, ihr Erfolg basiere auf eigener Leistung, beantworteten 62,3 Prozent der Testfragen korrekt. Wer aber dahinter nur Glück sah, erreichte nur 48,9 Prozent der Punkte.

Es reicht nicht, sich ein besonders erfolgreiches Vorbild zu suchen, um sich davon motivieren und mitreißen zu lassen. Man muss auch daran glauben, dass dieser Erfolg wiederholbar ist – auch von einem selbst, weil die Mechanik dahinter allen gleich offensteht.

Was braucht es, damit Lernen am Modell wirksam ist?

Damit Lernen am Modell wirklich wirksam ist, müssen drei Bedingungen erfüllt sein:

  1. Das role model muss zumindest für mich erkennbar Ähnlichkeiten aufweisen, z.B. Werte und Haltungen, Ziele, Kontexte, so etwas in der Art. All dies macht Identifizierung möglich. Laura M. berichtet: Die Vorgesetzte aus meinem Praktikum vor vielen Jahren war ziemlich beeindruckend. Sie hat nie ein Blatt vor den Mund genommen, war als sehr kritisch bekannt, aber auch als offen und fair. Ich fand sie klasse. Vor allem hatte sie einen ähnlichen background und auch Sozialwissenschaft studiert. Das machte mir Mut.
  2. Das role model muss Erfolg haben – so wie ich Erfolg definiere. Das bindet meine Ziele und Wünsche an das role model. Ein Berater-Kollege: Erfolg hat für mich ganz viel mit einem großen Netzwerk und Sichtbarkeit zu tun. Dann werde ich eingeladen und um meine Meinung gefragt. Das ist ein Erfolg. So ähnlich wie es mein Doktorvater gemacht hat. Bei ihm habe ich es gelernt.
  3. Das, was das role model erreicht hat, muss auch für mich irgendwie erreichbar sein. Arbeite ich als Spezialist gut, gerne und erfolgreich auf einer Fachposition, ist ein geeignetes role model auf der höheren Management-Ebene dann eine gute Wahl, wenn das Vorbild auch den Weg vom Spezialisten zum Manager gemacht hat. Taucht der Gedanke auf, wenn die oder der das kann, schaffe ich es auch, dann bin ich auf dem richtigen Weg.

Selbstwirksam werden

Die Neurowissenschaften bestätigen den positiven Einfluss von Vorbildern. So konnten Forscher im Hirnscanner erkennen, dass schon beim bloßen Gedanken an ein erfolgreiches Vorbild das Belohnungszentrum aktiviert wird – und der Betroffene sofort viel motivierter ist, dessen Taten nachzueifern. Selbstwirksames Handeln ist vorprogrammiert.

Es soll sogar möglich sein, mithilfe von Vorbildern sich selbst zu übertreffen. Der russische Psychotherapeut Vladimir Raikov versetzte seine Probanden in Tiefenhypnose und suggerierte ihnen, ein herausragender Kopf der Geschichte zu sein. Tatsächlich entwickelten seine Klienten in diesem Zustand Fertigkeiten, die weit über ihren eigenen lagen.

Auf diesem sogenannten Raikov-Effekt basiert heute eine Methode zur Förderung der eigenen Stärken und zur Entwicklung von Lösungen – sich in ein Vorbild hineinversetzen und fragen: Was hätte XY an meiner Stelle getan?

Um Rollenveränderungen gut zu unterstützen ist nicht nur die Frage nach dem Was? sondern auch nach dem Wie? entscheidend. Wie hätte XY dies genau getan? So bekomme ich Vorlagen für eigenes Handeln und Verhalten, die bei Rollenveränderungen wichtig sein können. Das Stichwort ist Selbstwirksamkeit. Ich denke positiver über mich und darüber was ich erreichen kann. Ich habe mehr Mut und mache mich wirklich auf den Weg.

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